Umberto Ecos Sicht der Dinge

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oder: Warum der Mac katholisch und der PC protestantisch ist.

Vor einer rechten Ewigkeit, das heißt, noch zu Zeiten von Windows 3.11, 1994, hat Umberto Eco zwei Glaubenskriege verglichen. Auf die Frage „Whether computers kill inspiration (whether fountain pens are Protestant)“ beginnt er, seine Ideen weiter auszuführen.

The fact is that the world is divided between users of the Macintosh computer and users of MS-DOS compatible computers. I am firmly of the opinion that the Macintosh is Catholic and that DOS is Protestant. Indeed, the Macintosh is counter-reformist and has been influenced by the ratio studiorum of the Jesuits. It is cheerful, friendly, conciliatory; it tells the faithful how they must proceed step by step to reach — if not the kingdom of Heaven — the moment in which their document is printed. It is catechistic: The essence of revelation is dealt with via simple formulae and sumptuous icons. Everyone has a right to salvation.

DOS is Protestant, or even Calvinistic. It allows free interpretation of scripture, demands difficult personal decisions, imposes a subtle hermeneutics upon the user, and takes for granted the idea that not all can achieve salvation. To make the system work you need to interpret the program yourself: Far away from the baroque community of revelers, the user is closed within the loneliness of his own inner torment.

Der Mac also ist gegenreformatorisch. MS DOS, so die Argumentation, ist protestantisch, da der fundamentale Weg zur Interaktion textbasiert ist. Eco hat dabei außen vor gelassen, dass man MS DOS eben nur als ein mögliches Beispiel für kommandozeilenbasierte Mensch-Maschine-Schnittstellen betrachten muss. Spinnt man diesen Vergleich weiter, was in meinen Augen gefordert ist, muss man alle CLIs (Command Line Interface) als protestantsich bezeichnen, während jede GUI (Graphical User Interface) sich katholisch, also allumfassend, allgemein oder universell, nennen darf. Der Eco’sche Vergleich wird in meinen Augen von ihm selbst schon eingeschränkt auf zwei mögliche Interpretationen von differenten Metaphern möglicher Schnittstellen zwischen Mensch und Computer.

Konsequenterweise muss man Meister Eco fragen, wie es mit Windows steht, da hier der Wechsel zwischen CLI und GUI von Microsoft vollzogen wurde. Windows, wie wir in der letzten Dekade leidvoll erfahren mussten, hat ja mehr und mehr mit dem Mac gemein als je zuvor.

You may object that, with the passage to Windows, the DOS universe has come to resemble more closely the counter-reformist tolerance of the Macintosh. It’s true: Windows represents an Anglican-style schism, big ceremonies in the cathedral, but there is always the possibility of a return to DOS to change things in accordance with bizarre decisions: When it comes down to it, you can decide to ordain women and gays if you want to.

Was? Wie jetzt? Wenn Windows ein Schisma war und immer die Möglichkeit bot, hin und her zu wechseln zwischen beiden Glaubensrichtungen, wie muss sich diese Einstellung auf das heute auf Unix aufbauende Mac OS X auswirken? Ist der Mac inzwischen Altkatholisch? Wie war es möglich, dass der allumfassende Gedanken so wirksam unterwandert wurde? Von einem Funken Protestantismus? Oder wurde er auf Umwegen genauso Anglikaner, wie es Windows schon war? Ein Affront für jeden Macianer!

Nun, sobald wir uns von der Oberfläche, entpuppt sich schnell die gemeinsame Wurzel:

And machine code, which lies beneath and decides the destiny of both systems (or environments, if you prefer)? Ah, that belongs to the Old Testament, and is talmudic and cabalistic. The Jewish lobby, as always….

Den gesamten Text von Umberto Eco gibt es hier: The Holy War: Mac vs. DOS

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