Momentaufnahme beim Schreiben

admin Kurzgeschichten, Schreiben Leave a Comment

Vor mir blinkt ein grüner Strich auf schwarzem Grund. Der Rest des Computers liegt hinter dem Schwarz. Ich muss schreiben. Ich zwänge mich am Wäscheständer vorbei, gehe in die Küche und werfe einen Blick in den Kühlschrank. Ich schließe ihn wieder und öffne den Vorratsschrank. Es ist kein pikanter Thunfisch in Dosen mehr da. Makrelendosen fehlen auch. Von den guten Oliven sind nur noch ein paar übrig. Fertigsuppen, aber keine Backerbsen. Ich stelle das Glas mit den Oliven auf die Arbeitsfläche. Trockene Reste vom Schwarzbrot von letztem Wochenende sind in der Brotdose. Ich gehe zurück in das Arbeitszimmer und setze mich. Vor mir blinkt ein grüner Strich auf schwarzem Grund. Ich drehe mich zum zweiten Bildschirm, bewege kurz die Maus, damit dieses Schwarz verschwindet. Ich suche Musik. Pop, Metal, Renaissance, Jazz, Rock, New Wave, Alternative, Klassik. Beethoven. Tadam, tadam, tadam. Kurze Pause. Tatadam. Brian Eno oder Jan Garbarek ist besser zum Schreiben. Ich starre auf den blinkenden grünen Strich. Meine Finger liegen auf den Tasten. Ich stehe auf und gehe in das Wohnzimmer, nehme ein Glas, öffne die Bar und beginne zu suchen. Amaretto, Whiskey, Gin, Schnaps, Baileys, Campari. Whiskey. Einen Fingerbreit fülle ich in das Glas und stelle die Flasche wieder zurück. Ich nippe, es brennt am Gaumen und wärmt den Magen. Ich versuche durchzuatmen. Meine Nase ist wieder einmal verstopft. Im Arbeitszimmer stelle ich das Glas auf den Schreibtisch und räume den Wäscheständer ab und weg. Die Wäsche trage ich in das Schlafzimmer und lege sie zur anderen …