Neue Medien auf Hochtouren

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Das Mediencamp hat im zweiten Jahr noch nicht Tradition, aber einen so guten Ruf, dass alle Karten nach etwa anderthalb Stunden vergeben waren: Ein großer Andrang mit vielen Neulingen. Altgediente Barcamper wie ich sind nicht nur gefühlt in der Minderheit, spätestens bei der Vorstellungsrunde und der Sessionplanung ist das per Handzeichen klargestellt (zur Beantwortung der Frage, wer zum ersten Mal auf einem Barcamp ist). Leider, das merkt Robert Lender an, kommt von den Neulingen in klarer Missachtung der Barcampregel Nr. 8 kaum ein Themenvorschlag für eine Session.

Nebenbei: falls Sie Barcamps noch nicht kennen, können Sie über das Prinzip der Unkonferenz auf barcamp.at nachlesen.

Die Sessionplanung für das Mediencamp ist (recht) rasch gelungen:

Ein breites Themenspektrum trifft auf ein ebenso breit interessiertes Publikum. Für mich heißt das: jede Menge Entscheidungsschwierigkeiten für den Nachmittag, der Vormittag dagegen ist klar: in der Sessionplanung hatte ich das Thema Hate Speech vorgeschlagen, genauso wie Matthias Jax von Safer Internet. Mein zweiter Vorschlag zu Curated Content wird ebenso von ein paar Leuten begrüßt, und wird im Aquarium stattfinden.

Hate Speech

Matthias hatte am Abend eine perfekte Präsentation vorbereitet, mir kam vor ein paar Tagen eine Idee. Das lässt sich gut vereinbaren, wir beide sind einer Meinung, in einer Minute ist der Ablauf besprochen. Der Präsentation von Matthias folgt eine spannende Diskussion, bis Julia Kantner einbringt, dass ein paar Regeln für Kommunikationsprozesse im Internet schon nicht schlecht wären.

An dieser Stelle schalte ich mich ein, und stelle meine Idee vor, den Hashtag #readrfc1855 zu etablieren, um genau dieses Problem anzugehen. Denn: Weitgehend unbekannt hat das Internet vor 21 Jahren genau diese Regeln definiert, in Form des RFC 1855: Netiquette Guidelines, um einen zivilisierten Umgang mit allen KommunikationsteilnehmerInnen zu gewährleisten. Im Saal hebt nur Jürgen Haslauer die Hand, dass ihm irgendwann einmal das Konvolut untergekommen sei.

Die Richtlinien wurden von der Responsible Use of the Network (RUN) Working Group in der IETF (Internet Engineering Task Force) ausformuliert. Während Hinweise auf manche technische Dienste altmodisch erscheinen, ist der Inhalt aktueller denn je: was damals beispielsweise als Flame War bezeichnet wurde, heißt neumodisch Shitstorm. Auch die Regel Wait overnight to send emotional responses to messages. braucht man nicht zweimal zu erklären. Es ist in meinen Augen noch immer ein stimmiger Anfang, um bewusst mit Anderen über das Internet zu interagieren. Und nebenbei: das Media Literacy-Problem ließe sich durch ein Lesen dieses 21 Jahre alten Dokumentes genauso angehen.

Was fehlt, ist eine einfache Homepage, um alles zu erklären, und die Bereitschaft einiger, mitzumachen. Etwas später gebe ich Robert Lender die Hand darauf, die Idee weiter zu verfolgen. Keine Sorge: die Domain readrfc1855.net ist schon eingetragen, und den RFC1855 kann man im vollen Wortlaut schon lesen. Eine fertige HTML-Anpassung ist noch ausständig, die ToDo-Liste ist aber schon geschrieben und veröffentlicht. Wer mitmachen mag, ist jederzeit Herzlich Willkommen. Einfach bei mir melden 😉

Nach der Session gibt’s Rückmeldungen wie: „Das Wort Gopher hab ich aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört.“, aber grundsätzlich Interesse am Thema.

Curated Content

Die wenigen Hände, die während der Sessionplanung für das Thema stimmten, überfüllen gerade das Aquarium. Ich freu mich ob der vielen Fische, und stelle kurz das Thema vor: Curated Content oder Content Curation kommt immer dann zu tragen, wenn man Inhalte von Dritten in die eigene Online-Kommunikation integriert, diese neu ordnet oder zusammenstellt. Kuratierte Inhalte sind nichts neues: jedes Museum arbeitet genau nach diesem Prinzip. Spätestens seit TechCrunch ist das Thema vollends in den Neuen Medien angekommen. Storyclash stellt automatisch die aktuellsten, meistgeklickten News aus diversen Social Media-Plattformen zusammen: sie nennen das Data Driven Publishing.

Andere Seiten werden genannt, wie klout, paper.li und scoop.it, die themenspezifisch Inhalte aggregieren und präsentieren. Während von paper.li in der Diskussion mehrheitlich abgeraten wird, ist die Zustimmung zu scoop.it groß. Für das Blog-Umfeld ist Bloglovin in letzter Zeit zu einer relevanten Größe geworden, und Feedreader wie feedly sind immer noch relevant: sie kombinieren gute Suchfunktionen mit umfangreichen Share-Möglichkeiten. Generell gilt: selbst aussuchen wird noch präferiert gegenüber einem Algorithmus.

Mein Setup ist relativ einfach: Ich nutze Feedly über die App Reeder, die für macOS und iOS verfügbar ist, und verteile die Inhalte anschließend über Buffer an alle relevanten Kanäle. Scoop.it werde ich mir demnächst genauer anschauen, es könnte eine sinnvolle Ergänzung zu meinem bestehenden System sein.

Eine umfangreiche Link-Liste ist auf t3n verfügbar.

Jürgen hält das mit seiner Social-Media-Strategie so:

Lernen

Nach dem Mittagessen komme ich aus dem Aquarium nur noch zu den Pausenzeiten raus. Es beginnt mit einer Session zum Thema Lernen und Lernen lernen, die rasch in die Problematik einführt.

Der Ted-Talk The First 20 Hours wird genannt. Während man laut Malcolm Gladwell 10.000 Stunden braucht, um Meister in etwas zu werden, braucht der Mensch durchschnittlich 20 Stunden, um gut genug in etwas zu sein. Autofahren zum Beispiel.

Natürlich hilft es auch, wenn man einfach übt:

oder sich ganz einem einzigen Aspekt widmet:

Literaturempfehlungen zum Thema:

Team Barcamp

Robert Lender hat vor kurzem gemeinsam mit Robert Harm die Verantwortung für barcamp.at von Helge Fahrnberger übernommen und ist auf der Suche nach geneigten Persönlichkeiten, die gewillt sind, sich dem Thema Barcamp etwas intensiver zu widmen.

Folgende Ziele werden vereinbart:

  1. Auf die Barcampregeln hinzuweisen und Neulinge wieder mehr zum Präsentieren anzuhalten.
  2. Für jedes Bundesland eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner zu finden für alle, die ein Barcamp organisieren wollen und Unterstützung dafür benötigen.

Mobile Reporting

Dazu gibt es nicht mehr viel zu schreiben, da Julia inzwischen ihre Session wie versprochen perfekt zusammengefasst hat: Tipps & Tricks: So funktioniert Mobile Reporting.

Man braucht nicht viel, um unterwegs vom Handy weg einen Beitrag zu erstellen. Ein Deppenszepter aka. Selfie-Stick darf zu diesem Zweck ohne Gewissensbisse erworben werden. Besser wäre aber natürlich etwas wie ein DJI Osmo, der eine perfekte Kameraführung aus der Hand erlaubt, aber auch viel kostspieliger. Für Tonaufnahmen empfiehlt Julia immer, auf ein externes Mikrofon zu setzen, und hat als Beispiel ein iRig Mic mitgebracht, das für Tonaufnahmen am Smartphone optimiert ist.

Fazit

Wie letztes Jahr ist die Ausgabe 2016 ein perfekt organisiertes Barcamp zum Thema Medien im Allgemeinen und Neue Medien im Speziellen, mit einer bunten und spannenden Mischung an Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Als einziger Kritikpunkt kann selbst das wankelmütige WLAN die positive Stimmung nicht trüben, obwohl Twitter mich aus meinem eigenen Account aussperrt aufgrund der entstehenden Unregelmäßigkeiten.

See you all next time: 2.12.2017!

Fotos

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