Willkürjustiz, Hintermänner und Ausführende

admin News 4 Comments

Wer oder was steckt hinter den Folterungen, dem Mißbrauch und anderen Taten der USA im Irak? Der Frage geht Florian Rötzer in einem Artikel in der Telepolis nach. Dabei benutzt er meines Erachtens ziemlich passende Wörter wie „Herrenmensch“ und ähnliche Begriffe, die man inzwischen, ob der vorliegenden Taten, problemlos benutzen kann. Erschreckend, was die Überheblichkeit eines Volkes anrichten kann.

[Telepolis]

Comments 4

  1. Also mal halblang. Dass es Missstände gibt, wird niemand abstreiten. Verblendete, übermäßig einseitige und weit überzogene Kommentare sind aber bestenfalls billiger populistischer Antiamerikanismus, von „passender“ Sprache kann hier nicht die Rede sein.

    Im maßlos übertriebenen Versuch, die USA politisch in einen Topf zu werfen mit dem Nationalsozialismus (Anspielung auf Rassenkampf-Ideologie mit „Herrenmensch“), Stalinismus („Gulag“) oder anderen Totalitarismen, gibt man sich einer Überbietungsrhetorik hin, die wirklich unseriös ist, und beweist bestenfalls, dass man keine Ahnung von den Totalitarismen hat.

    Rötzer argumentiert außerdem mit einer Reihe von nicht bewiesenen Annahmen, als seien sie Tatsachen. Er ist außerdem sehr selektiv in seiner Wahrnehmung, und diese Selektivität und Einseitigkeit ist offensichtlich anitamerikanistisch motiviert.

    Dass ein so enorm wichtiges Problem wie die Misshandlungen und sogar Folter in den Gefängnissen einer westlichen Verfassungsdemokratie in einer derart unseriösen Weise abgehandelt wird, sollte nicht einfach bejubelt werden, sondern bei kritischer Betrachtung auf seine Motivationsgründe hinterfragt werden.

    Ich werfe dir vor, dass du in der Hinsicht sehr unkritisch geworden bist. Pauschalisierungen wie „Überheblichkeit eines Volkes“ sind bestürzend – gerade wenn man sich mit solcher Wortwahl im europäischen Anti-USA-Sog so sicher vor Kritik fühlt wie die Soldaten in Abu Ghraib noch vor wenigen Monaten vor Konsequenzen.

    Kritischer sein, selbstkritischer sein. Und nicht einfach mittun wenn man sich, weil’s gerade en vogue ist, rhetorisch überbietet. Die eigentlichen Problematiken bleiben dabei nämlich auf der Strecke.

  2. Natürlich kann man die USA nicht mit den Totaliratismen des vergangenen Jahrhunderts vergleichen, aus vielerlei Hinsicht nicht. Daß ein Hitler oder ein Stalin tausendfaches Leid über die Menschheit gebracht haben, steht sowieso außer Zweifel. Aber daß die Folterungen und Herabwürdigungen des Menschen, die von ihrer Grundintention in keinster Weise besser sind als das, was in den Schreckensherrschaften in Deutschland oder Russland geschehen ist, und, für mich, hier tatsächlich auf einer Stufe zu sehen sind, angeprangert gehören, muß einfach geschehen. Sicherlich kann kein vernünftiger Diskurs darüber entstehen, wenn man mit Pauschalierungen und Vorurteilen argumentiert, mit nicht gesicherten Meldungen und Beobachtungen. Allerdings, so wie ich das sehe, werden in jeder Diskussion vorerst die Extrempositionen besetzt, bevor man sich überhaupt annähern kann.
    Und mein Anti-Amerikanismus ist sicherlich nicht en vogue, mir geht das ganze Volk ziemlich auf den Geist. Das allerdings schon einige Zeit lang, nicht erst seit 9/11 und all den im Namen der Terrorismusbekämpfung geschehenen Dinge.
    Aber ich muß zugeben, manchmal laß ich mich zu Sachen hinreißen… 😉

  3. 1. Vergleich mit Totalitarismen: Also da ist noch immer ein großer Unterschied in der Zielsetzung und vor allem im Ausmaß. Der Vergleich bleibt vollkommen unangebracht, auch so wie du ihn jetzt formulierst.

    Abu Ghraib ist sicher ein dunkles Kapitel in der Geschichte der USA, aber ein Holocaust ist es sicher nicht.

    2. Diskussion: Und das mit den Extrempositionen kann ganz schön nach hinten losgehen. Man muss nicht so diskutieren, und wenn man es doch so tut, kann der auf die Art Beschuldigte sagen: „Na bitte, da wird man nur aus Hass persönlich angegriffen, das kann man doch nicht ernst nehmen.“

    Das Traurige ist, das er damit Recht hätte. Mit solchen Extrempositionen nimmt man sich aus der Diskussion heraus. Meistens ist es um die (deswegen vernachlässigten) Beiträge eh nicht schade, aber wenn es tatsächlich einmal einen wichtigen Kritikpunkt gibt, dann geht der in so einer dummen Plärrerei unter.

    Es gibt viele berechtigte Kritikpunkte in Bezug auf die USA, aber keinen Grund zur Verblendung.

    3. Anti-Amerikanismus: Das macht’s nur schlimmer. Und wenn man nur selektiv die negativen Aspekte der US-Geschichte herausstreicht, und die auf eine protorassistische Art („das ganze Volk“) anprangert, muss man da schon einhaken, Vorsicht walten lassen und dafür schon die Motivationen hinterfragen.

    Ich weiß, ich frag da viel an Selbstkritikfähigkeit, aber die trau ich dir (im Gegensatz zu vielen anderen) voll und ganz zu.

    Tipp:
    http://www.dradio.de/aod/player/index.html

    … und suche nach „Helmut Schmidt“. Hör dir den Beitrag vom 25.4.2004 an.

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